DANIEL HARMS

„Ich würde mich vor allem als expressionisten empfinden!“

 

Die Bezugnahme auf den Expressionismus war von Daniel Harms nicht stilistisch gemeint. Unser Gespräch drehte sich zunächst um vermeintliche Einflüsse der Street- oder Urban Art. Das wurde er bereits mehrfach gefragt. Doch tatsächlich würde er mit dieser Szene überhaupt nichts am Hut haben. Er sei froh, wenn er nicht die Wohnung verlassen müsse. Wenn
sein Werk kategorisiert werden solle, dann eben als Entäußerung seines Innenlebens - als Seelenmalerei.

Derart unverstellt habe ich schon lange keinen Künstler mehr über seine Werke reden hören. Daniel Harms
hat auch nicht die Diskusschmiede einer Kunsthochschule durchlaufen, in der das kreative Denken und Machen im hohen Maße konsensualisiert wird. Sein Zugang in die Kunst lässt sich als klassischen Quereinstieg beschreiben. Sozialisiert
wurde er im Kontext der Metal-Musik, und vermittelt durch seine Lebensgefährtin, die Kostüm und Bühnenbild an der Kunsthochschule Weißensee studiert hatte, begann er 2012 zu malen.

Tatsächlich ist Daniel Harms direkte, unverfälschte Haltung gegenüber dem Medium Malerieiin mehreren Aspekten durchaus vergleichbar mit dem Anti-Akademismus der Urban Art: Die Flächigkeit und Zeichenhaftigkeit seines Vokabulars verbunden mit den Texteinflüssen als poetische Exklamation, in denen sich sowohl Comics als prägendes Genre manifestieren als auch die visuellen Einflüsse von Werbeplakaten. Schließlich auch die oft rauschhafte Geschwindigkeit seines Schaffens, das sich ohne Vorzeichnung im direkten Dialog mit der Leinwand vollzieht. Nicht denken, sondern machen -als möglichst authentischer Ausfluss innerer Regungen! Trotz der poppigen Heiterkeit der Farben und der Virtuosität seines Strichs ist Daniel Harms Kunst von einem gänzzlich ironiefreien Pathos geprägt. Dem jungen Mann sind Dinge, mit denen er sich beschäftigt, sehr ernst, und das Gespräch mit ihm über seine Bilder führt schnell in Bereiche, die so persönlich, ja geradezu intim sind, dass er sie dann doch nicht preisgeben möchte. 

In diesem Sinne lässt sich die aktuelle, acht Bilder umfassende Werkserie „Falsche Helden oder mutige Irre“ als form der
Abstraktion oder auch Entlastung von dem allzu-menschlichen seines künstlerischen Zugriffs beschreiben. Die Auseinandersetzung mit acht Meisterwerken bzw. Meistern der Kunstgeschichte (Caravaggio, Rubens, Goya, Schiele,
Beckmann, Bacon, Pollock, Picasso) beschreibt er selbst in musikalischer Begrifflichkeit als „Remastering“, also als Neuinszinierung eines Stoffs, was sich im Unterschied zu einer Coverversionen durchaus weit von der Vorlage entfernen
kann. So innerhalb von Harms Serie lediglich Rubens „Leda“ die im übrigen auf einem Stich von Michelangelo zurückgeht,
als motivtreu zu bezeichnen, während etwas Pollocks weitgehend abstraktes Bild „Male and Female“ von 1942 in die wild-sexualisierte Szene eines Kentaurenritts übertragen wurde, deren Bezug auf die inspirierende Quelle ausschließlich
inhaltlich gedeutet werden kann. Gleichsam als Kommentar dazu ist in Harms Gemälde zu lesen: „Manchmal werden unsere Erwartungen von Fantasien betrogen!“ 

Die im Vorgang der Aneignung der Motive herrschenden Ambivalenz zwischen Arroganz und Demut wird von Harms sehr 
genau reflektiert. Er sampelt das Material im Vorgang der Zerstückelung und Neu-Arrangierung. Der Hochmut liegt in der prinzipiellen Herangehensweise, im Abarbeiten und Überwinden von Künstlerischen Väterfiguren. Lust, Ekstase, Tod und Schuld sind dabei die vorherrschenden Register. Und an dieser Stelle wird der Zugang in die Bildwelt des
Daniel Harms wieder außerordentlich persönlich, verletzlich und eben demutsvoll.
Er spricht davon, dass die Dinge im „vor dem Herzen stehen“. Harms antwortet mit seiner sicheren Existenz auf die BIlder
der Vergangenheit. Unter diesen Blickwinkel werden vor allem seine Bildinterpretationen von Goyas „Saturn frisst seine Kinder“, Caravaggios „David und Goliath“, oder auch Beckmanns schauriger „Nacht“ zu Dokumenten psychologischer
Verwerfng, zu denen die Sprache der Kunstkritik keinen Zugang hat.

Marc Wellmann

       

Die Nacht - 180x240

 

Male and Female - 180x240

 

David and Goliath - 180x240

 

  

       

Weiblicher Akt - 180x240

 

Leda and the Swan - 180x240

 

Gemälde - 180x240

 

  

       

Saturn - 180x240

 

Minotaur - 180x240